Ich bin immer gut mit Männern zurechtgekommen. Ich hatte als Mädchen viele Freunde, etwa halb so viele wie Freundinnen, und eigentlich habe ich mich mit den Jungs oft besser verstanden als mit meinen besten Freundinnen (sorry Isa 😉 aber du weißt, wieso … 😀 )

Auch jetzt fühle ich mich in Gegenwart von Männern oft besser, sicherer, fühle mich oft aufgehoben und ruhiger. Ich muss mich nicht so beweisen, wie wenn ich mit Frauen zusammen bin. Mit Frauen mache ich oft die Erfahrung, dass vieles nur gespielt ist, viel von der Nettigkeit, der Hilfe und der Sympathie – es gibt natürlich mehr Ausnahmen als man zählen kann, aber viele Freundinnen haben mir schon ähnliche Erfahrungen berichtet.

Männer sind oft cooler, sind ehrlicher, sind irgendwie berechenbar, und das finde ich sehr beruhigend. Vielleicht, weil ich mich selber oft als unberechenbar empfinde. Diese männliche Stetigkeit ist da so etwas wie ein Gegengewicht zu meiner inneren Wankelmütigkeit.

Nun ist das auf der Straße vielleicht ein bisschen anders als im richtigen Leben. Mir ist bewusst, dass ich mich auch einem gewissen Risiko hier aussetze, das über das Verhungern und das Ausgeraubtwerden hinausgeht. Auch wenn ich mich bisher eigentlich immer sicher gefühlt habe (außer in Freiburg war ich auch in keiner größeren Stadt, und Freiburg schien harmlos; der Wald hingegen wiegt mich viel mehr in Sicherheit als jedes Anzeichnen menschlicher Zivilisation …), ist mir klar, dass der Moment kommen kann, wo jemand meine Schwäche ausnutzt.

Ich bin schwach

Dass ich auf meiner Suche nach Unabhängigkeit und Freiheit auch sehr viel Schutz aufgegeben habe und die Schwäche zu meiner ständigen Begleiterin gemacht habe, ist mir in den letzten Tagen noch stärker bewusst geworden. Im Zelt zu schlafen, im Freien zu sein, dem Regen ausgesetzt zu sein, auf Handy, Laptop und WLAN angewiesen zu sein, auf Cafés, Herbergen, Pensionen, wo man sich waschen und die Akkus aufladen kann – und natürlich auf euch angewiesen zu sein: auf eure guten Wünsche, auf eure Unterstützung, auf eure Ratschläge und einfach auf die Möglichkeit, mit euch in Kontakt bleiben zu dürfen – das alles macht mich schwach und angreifbar.

Als mein Handy gestern morgen einen halben Tag lang seinen Geist aufgegeben hat, habe ich das schon stark gespürt. Als mich der ältere Herr in seinem Wagen mitgenommen und nach Freiburg gefahren hat (ich bin zum ersten Mal in meinem Leben getrampt – „Steig nicht mit fremden Männern ins Auto“ hab ich die Stimme meiner Mutter während der ganzen Fahrt im Hinterkopf gehört …), habe ich es noch mehr gespürt. Und ich weiß, das ist ein Gefühl, das niemals weggehen wird, auch wenn ich noch so erfahren sein werde in meinem Leben auf der Straße.

Im Internet erlebe ich diese Schwäche auch, aber längst nicht so stark.

 

Ich habe vor ein paar Tagen damit begonnen, ein paar Chat-Verläufe zu posten – ein kleines Best-of meiner täglichen Nachrichten hier auf Facebook, auf twitter, per mail und anderswo. Ich kann euch sagen, diese Zitate sind zwar mit die lustigsten, aber längst nicht alle. Ich bekomme sehr viele solcher Anfragen, oft beginnen sie recht harmlos, und manchmal mache ich mir einen Spaß daraus, zum Schein auf die Sache einzugehen und mal zu hören, was sie wirklich wollen.

Natürlich weiß ich das schon vorher, und ich finde es auch nicht schlimm oder verwerflich.

Viele von euch waren schockiert und haben mir geschrieben, warum ich das mache. Viele haben sich von diesen Menschen distanziert, wollten mit denen nichts zu tun haben und wollten wissen, ob sie mit denen befreundet sind. Und einige haben auch gefragt, warum ich das überhaupt öffentlich mache und auf Facebook poste: das habe hier doch wohl nichts zu suchen!

Lasst mich nicht alleine!

Ich bin mit diesen Anfragen alleine, und jede Frau ist das. Jede Frau bekommt solche Anfragen. So wie man uns früher auf der Straße hinterhergepfiffen hat (das hab ich persönlich eigentlich noch nie erlebt, weiß aber nicht, ob es mir lieber wäre als eine PN auf Facebook …), schreibt man uns hier und macht eindeutige Angebote.

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Wie viel er wohl geboten hätte …?

Das Ätzende an diesen Nachrichten ist nicht ihr Charakter, ihre Eindeutigkeit, dass sie obszön wären, auch nicht die vielen Schwanzfotos, die ich bekomme (ach, würde ich für jeden Schwanz, der mir hier auf Facebook zugeschickt wurde, nur 50 Cent bekommen – ich wäre reich 😀 ), auch nicht die Häufigkeit, mit der das passiert oder die Hartnäckigkeit derer, denen ich ein klares Nein geschrieben oder die ich ignoriert habe – all das stört mich nicht besonders, und wenn’s mich stört, kann ich es durch ein einfaches Blockieren oder Ignorieren recht schnell ausblenden.

Was mich manchmal fertig macht ist die Tatsache, dass ich damit alleine bin. Dass ich hier, in einem geschützten Raum meiner privaten Korrespondenz, mit Menschen konfrontiert werde, die auch vor der Androhung von Gewalt nicht zurückschrecken. Ich brauche die Chat-Funktion und die Mails, um mit euch in Kontakt zu bleiben, mich auszutauschen, und um eine gute Atmosphäre herzustellen. Aber in diesen Raum dringen immer wieder die ein, die „nur das eine“ wollen – und dann fühle ich mich angreifbar, angegriffen, schwächlich, schwach und alleine.

Wenn ich das öffentlich mache, drehe ich den Spieß um. Zwar anonymisiere ich die Nachrichten, aber ich kann euch da draußen zeigen, wie es mir ergeht, und dann bin ich nicht mehr alleine damit. Es reicht mir nicht, nur mit meinen guten Freundinnen und mit meiner Schwester darüber zu sprechen.Ich will, dass ihr das seht und lest.

(Außerdem will ich denen Angst machen, die mir so etwas schreiben wollen, weil sie nie wissen können, ob ich das eines Tages veröffentliche – MIT Angabe ihres Namens, und sie wissen dann, dass viele das lesen werden …)

Dabei ist es mir nicht wichtig, wie ihr dazu steht. Ich kann gut verstehen, wenn man das verwerflich findet oder für die natürlichste Sache der Welt erachtet. Ich selber finde es nicht verwerflich, ich fühle mich nur allein gelassen in diesem Moment. Und sobald ihr es gesehen habt, fühle ich mich wieder ein Stück geborgener – es ist seltsam, aber es ist eine Art Gegenwehr für mich.

Warum ich die Männer noch immer mag

Mir ist schon klar, dass und warum Männer so etwas schreiben: Warum sie mir ihren Schwanz zeigen, warum sie mir Geld für Sex bieten, warum sie mir drohen, mich zu finden und zu vergewaltigen, wenn ich auf ihr großzügiges Angebot nicht eingehe. Es ist schon klar, dass unser Überleben als menschliche Art davon abgehangen hat, dass Männer ihre Gene an so viele Frauen wie möglich weitergeben wollten – und am besten an junge Frauen, die noch viele Kinder gebären konnten. Und dass das Verhalten einiger Männer hier im Netz (und in der Wirklichkeit) ein Spiegel dieser evolutionären Mechanismen sind, die in uns angelegt sind. Ich finde es nicht schlimm, Sex haben zu wollen und einfach mal danach zu fragen. Vielleicht haben sie ja irgendwo Erfolg damit, ich wünsche ihnen alles Gute!

Deswegen verurteile ich die Männer auch nicht. Für Frauen ist ein solches Verhalten evolutionär gesehen eben nicht von Vorteil gewesen, deswegen drängt es uns auch nicht so sehr danach, jemandem per Chat ungefragt unsere Brüste zu zeigen.

Vor allem weiß ich, dass nicht alle Männer gleich sind. Zu verallgemeinern und zu denken, alle Männer wären Wilde, und die Frauen wären alle keusche Heilige, ist großer Unsinn.

Ich weiß es allerdings sehr zu schätzen, wenn andere Männer sich von diesem Verhalten distanzieren. Wenn sie es als unerhört beurteilen und mir das sagen. Mich beruhigt das, aber noch mehr lässt es mich davon überzeugt sein, dass nicht alle nur Wilde geblieben sind.

Und das haben viele von euch getan. Das ist es, was ich an Männern mag: diese Direktheit, diese Berechenbarkeit, aber auch diese Ehrlichkeit. Wenn ich ein Bild von mir poste, kriege ich 300 Likes, wenn ich einen Text von mir poste, nur 12. Wenn ich euch schreibe: „Guten Morgen!“, kriege ich 100 Kommentare als Antwort, liebe und nette Reaktionen. Wenn ich bitte, mich auf Patreon zu unterstützen, kommentiert nur einer, und zwar der, der mich eh schon unterstützt.

Ich will mich nicht hochschlafen

Einige Männer schreiben mir:

„Sei doch froh, dass du solche Angebote bekommst. Für Männer wäre das der absolute Traum: Ficken dürfen und dafür auch noch Geld bekommen.“

Mein Traum ist allerdings ein anderer. Was mich und viele Frauen so nervt ist die Schwierigkeit, mit der man seine Träume verwirklicht, ohne auf seinen Körper zurückgeworfen zu werden. Ich will Erfolg haben, weil mein Roman gut ist. Ich will gelesen werden, weil ich gut schreiben kann. Ich will viele Follower haben, weil meine Reise euch interessiert, weil ich mutig bin, Dinge erlebe und mit euch in Kontakt bleibe. Weil ich nett, höflich und zuvorkommend bin.

Und ich will dieses Abenteuer durchziehen, weil ich ich bin, als Josefine Engel, als die, die ich bin und werden will. Und nicht als Auffangbecken für den Samen fremder Männer.

 

 

 

PS: Wenn ihr bis hierher gelesen habt, könnt ihr mir einen großen Gefallen tun: Ihr könntet diesen Post auf Facebook, Twitter etc. TEILEN und LIKEN!

Erstens kann ich dann sehen, dass ihr bis hier durchgehalten habt, dass es euch interessiert hat (obwohl ich heute kein neues Foto für euch hatte 😀 ) und

zweitens erfahren andere davon. Es stärkt Frauen, davon zu hören, dass es anderen auch so geht wie ihnen, und es stärkt auch die Männer, denke ich, davon zu erfahren, dass nicht alle so sind wie sie.

 

 

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